Ein Kennenlernen zwischen Somatik und Psychiatrie
Ein Kaffeetisch, zwei Fachbereiche und 50 Jahre geballte Erfahrung am Quirlsberg. Anne von Rymon und Michael Festerling im Gespräch über das, was ihren Beruf im Kern zusammenhält.
Was hat eine bergische Kaffeetafel mit moderner Medizin zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Inmitten von Waffeln, Milchreis und der traditionellen „Dröppelminna“ trafen sich Anne von Rymon und Michael Festerling zu einem besonderen Austausch. Beide feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum am Evangelischen Krankenhaus (EVK). Während Anne als pflegerische Leitung das Herzkatheterlabor fest im Griff hat, ist Michael in der psychiatrischen Institutsambulanz für Menschen in akuten Lebenskrisen da.
Zwei Wege, eine Heimat
Für beide ist das EVK längst mehr als nur ein Arbeitsplatz. Anne beschreibt die Abteilung fast als ihr „Wohnzimmer“. Ihr Weg führte sie vom ersten Praktikum über die Ausbildung zur Arzthelferin bis in die Leitungsposition. „Ich bin wirklich dankbar, dass mir dieser Weg ermöglicht wurde“, sagt sie rückblickend.

“Ich bin wirklich
dankbar, dass mir
dieser Weg
ermöglicht wurde”
Anne von Rymon
Leitung Herzkatheterlabor
Auch Michael ist dem Haus seit einem Vierteljahrhundert treu und hat die Entwicklung der Psychiatrie von den ersten Tagen an miterlebt. Trotz der unterschiedlichen Fachbereiche eint sie das Gefühl der tiefen Verwurzelung in der Region und im Haus.
Kopf oder Bauch? Die Suche nach der Balance
Im Zentrum ihres Gesprächs stand eine alles entscheidende Frage:
„Wissen und Intuition gehören beide zu unserem Alltag. Wie finden wir die richtige Balance?“.

Die Somatik
Anne erklärt, dass im Herzkatheterlabor zwar technische Abläufe dominieren, die Intuition aber den entscheidenden Unterschied macht. „Man lernt über die Jahre zu spüren: Ist der Patient nur unfreundlich oder hat er einfach nur riesige Angst?“. Oft sind es kleine Gesten wie Händchenhalten, die den Patienten die Angst nehmen.
Die Psychiatrie
In Michaels Bereich ist der Mensch selbst das wichtigste „Diagnoseinstrument“. „In der Psychiatrie geht das Meiste aus dem Bauch“, erklärt er. Das Wissen über Krankheitsbilder bildet dabei die „Leitplanken“, innerhalb derer man sich intuitiv bewegt, um eine echte Beziehung zum Gegenüber aufzubauen.
„Das Wissen über den Patienten geht irgendwann in ein Bauchgefühl über, mit dem man dann arbeitet.“ – Michael Festerling
Wurzeln, Flügel und der Mut zur Ehrlichkeit
Das neue Narrativ des Campus, „Unsere Wurzeln sind Werte, unsere Flügel sind Fortschritt“, wurde im Gespräch durchaus kritisch beleuchtet. Beide spüren den wachsenden wirtschaftlichen Druck. Michael erinnert sich an Consulting-Firmen, für die ein therapeutisches Gespräch auf dem Balkon lediglich als „Rauchpause“ gewertet wurde – dabei ist genau dieser Beziehungsaufbau das Wesen ihrer Arbeit.
Doch genau hier setzen die „Wurzeln“ an. Anne betont, wie wichtig es ist, sich den Raum für Menschlichkeit trotz Zeitdrucks zu nehmen – sei es durch ein kurzes Telefonat am Tag nach der Untersuchung oder das ehrliche Nachfragen, wie es dem Patienten wirklich geht.
Was wir mit nach Hause nehmen
Am Ende sind es nicht die Fallzahlen, die zählen. „Erfüllend ist es, wenn Patienten nachher mit einem Lächeln rausfahren und sagen: „Ach, das war gar nicht schlimm“, resümiert Anne. Michael ergänzt, dass es für die Zukunft entscheidend sein wird, dass Mitarbeiter den Mut haben, auch eigene Schwächen zu zeigen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Du möchtest Teil eines Teams werden, in dem Wissen und Bauchgefühl gleichermaßen zählen?

Offene Stellen
Mehr erfahren

Über den Campus
Mehr erfahren

Menschen & Teams am Quirlsberg
Mehr erfahren

